Anna-Lena Kinateder bei der Qualifikation zu den Olympischen Jugendspielen


Fast ganz oben

Nachwuchsschützin Anna-Lena Kinateder will zu den Olympischen Jugendspielen

Gaimersheim/Moskau (mhc) – Kopfhörer aus den Ohren. Das Ende der Dauerschleife von Aviciis „You make me“. Eine treibende Techno-Nummer. Nur noch eine viertel Stunde, bis Anna-Lenas erster Schuss fallen darf. Einrichten im Schießstand, eine feste Haltung finden, konzentrieren. Das Gewehr in den Anschlag, hoffentlich liegt der Schaft nicht zu nah an der Schulter, das würde zur Disqualifikation führen. Es ist soweit. Fünfzig Minuten Zeit für vierzig Schuss. Anna-Lena drückt ab. Ihre erste 10er-Serie beendet sie mit soliden 101,3 Ringen.

Die 17-jährige Anna-Lena Kinateder aus Gaimersheim ist im Moment nicht nur eine der besten Nachwuchsschützinnen der Region, sondern ganz Deutschlands. Erst vor wenigen Tagen ist sie aus Moskau zurückgekommen, wo sie am Quotenplatzturnier für die Youth Olympic Games (YOG) teilgenommen hat. In ihrer Disziplin Luftgewehr erhalten nur sechs Teilnehmerländer jeweils einen Startplatz für die Olympischen Jugendspiele, die im August in Nanjing/China stattfinden. Nur die beste Schützin jeder Altersklasse darf dorthin fahren. Insgesamt haben etwa 45 Länder mit 70 Starterinnen an dieser Ausscheidung teilgenommen.

Zum Quotenplatzturnier durften aus der Altersklasse Junioren weiblich ohnehin nur die besten Mädchen jedes Landes anreisen. Für Deutschland waren das Charleen Baenisch aus Neubrandenburg, Marion Dummer aus Regensburg und Anna-Lena Kinateder, die ihre noch relativ junge Karriere bei den Gaimersheimer Hubertusschützen startete und immer noch dort aktiv ist. Für eine Teilnahme an den YOG hat sie dieses Jahr zum ersten und letzten Mal eine Chance, da sie im Sommer volljährig wird und somit aus dieser Altersklasse herausfallen wird.

Zwar hat Anna-Lena schon mehrere Deutsche Meisterschaften erfolgreich absolviert und auch einen internationalen Wettkampf miterlebt. Doch das Turnier in Moskau war ihr bisher größter Wettkampf. „Es war gigantisch, ein Erlebnis, das ich wohl nie mehr vergessen werde“, erzählt sie strahlend.

Anna-Lena2Die Halle, in der das Turnier stattfand und in der auch die Boxen für die Sportler und ihre Teams untergebracht waren, ist etwa vier Mal so groß wie die Ingolstädter Saturn Arena. Einen Tag vor dem eigentlichen Wettkampf, im Pre-Event-Training, hatte  Anna-Lena ein gutes Gefühl, da sie tolle Ergebnisse erzielte. „Als ich in dem Schießstand war, in dem ich am nächsten Tag auch das Turnier durchführen sollte, fühlte ich mich ganz oben angekommen, als hätte ich mein Ziel erreicht“, erinnert sie sich.
Wettkampftag. Nach nur einer halben Stunde hat Anna-Lena ihre vierzig Schuss abgegeben. Insgesamt 410,7 Ringe, ein sehr gutes Ergebnis. Doch leider nicht so gut wie am Vortag. Sie dreht sich um und blickt auf die riesige Leinwand, auf der die Ergebnisse sofort angezeigt werden. Der sechste Platz. Bis die anderen Teilnehmerinnen ihre Serien beenden, fällt Anna-Lena noch auf Platz neun zurück. Sie verpasst das Finale des Wettkampfs um lediglich 0,2 Ringe. Der Unterschied zur Erstplatzierten Inna Kashchuk aus der Ukraine betrug gerade einmal 2,5 Ringe. Eine herbe Enttäuschung für Anna-Lena. „Da war ich plötzlich wieder am Boden. Als ich meine Mutter angerufen habe, habe ich nur geweint, es war unglaublich.“

Warum es im Gegensatz zum Vortag nicht geklappt hat, können sich weder Anna-Lena noch Kadertrainerin Claudia Kulla erklären. Denn eigentlich war Anna-Lena überhaupt nicht aufgeregt und ging mit Spaß und ohne Druck in ihren Schießstand, obwohl das für sie „total ungewöhnlich“ war, allein schon aufgrund der Größe der Halle und der Wichtigkeit des Turniers. Doch insgesamt fielen die Leistungen der  Jungschützinnen am Wettkampftag schwächer aus als in der Vorbereitung. Eine Tatsache, die Anna-Lena etwas beruhigte.

Für Deutschland klappt es trotzdem mit einem Startplatz für die YOG. Charleen Baenisch belegte mit 412,7 Ringen den dritten Platz im Turnier. „Da habe ich mich dann natürlich schon wieder gefreut und im Finale mit ihr gefiebert, das war so aufregend“, schmunzelt Anna-Lena.

Doch auch für sie ist die Chance auf die Teilnahme an den Olympischen Jugendspielen noch nicht vertan. Erst Ende Mai wird in Suhl/Thüringen herausgeschossen, wer in der Klasse Junioren weiblich für Deutschland antreten darf. Anna-Lena kann und wird es also nochmal versuchen. Falls es dann tatsächlich nicht klappen sollte mit China, trainiert sie weiter mit Blick auf große Ziele: „Im September ist Weltmeisterschaft, nächstes Jahr Europameisterschaft und an den Olympischen Spielen 2020 könnte ich hoffentlich auch teilnehmen“, sagt sie und lächelt. Sie will den Weg nach ganz oben fortsetzen.

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